Sprachkritisch unterwegs – Foruminfo 06/2015

Auch diesmal empfehlen wir kritische Analysen zur ‚Asylrhetorik‚, außerdem gibt es Beiträge zu sprachlichen Nebelwerfern, zu Lügen und Unsinn in der Politik, zum Unwort ‚Griechenland-Rettung‘ und  zum Wörtchen ‚aber‚, das eine ganz eigene Logik entfaltet…

(1) Kulturkämpfe

Ein Kampf der Kulturen tobt in unserem Land. Nicht so sehr zwischen Christen und Muslimen, sondern vielmehr unter Politiker/innen, die sich darin überschlagen, ständig neue Komposita mit dem Zweitglied -kultur zu erfinden und gegeneinander in den Kampf zu schicken (Willkommenskultur/ Verabschiedungskultur/ Ankommenskultur). Was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, ist im Sprachlog zu finden: Beitrag v. 5.10.15

(2) Der Begriff ‚Asylant‚ ist ganz klar verbrannt

Vertriebene, Wirtschaftsflüchtlinge oder einfach unsere Gäste? In der Debatte um Flüchtlinge gibt es keine neutralen Begriffe, sagt Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch in einem Interview der Süddeutschen Zeitung v.3.9.15

(3) „Ich habe nichts gegen XYZ, aber…“

Wer kennt nicht diese Wendung? An ihr ist nicht so sehr das „Aber“ anstößig. Woran sich viele stoßen, ist die Einschränkung, das Relativieren. Seit Martin Luther verachten die Deutschen das Wörtchen „aber“. Seine einschränkende Funktion erscheint als Verweigerung einer klaren Haltung. Dabei ist es Ausdruck einer gesunden Skepsis-Kultur, meint Tilman Krause in einem anregenden Artikel in der Welt v. 30.9.15

(4) Sprachliche Nebelwerfer

In der Politik werden reale Verhältnisse zunehmend vernebelt, es wird beschwichtigt oder schlicht gelogen. Reinhard Schlüter bietet einen Wegweiser durch das Dickicht dieser Sprachverformung: Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung v. 24.9.15

(5) „Nicht-öffentlich ist ja nicht gleich geheim“

Wie ertappt man Politiker bei Lügen und Unsinn? Indem man Ihnen zuhört. Es gilt das gesprochene Wort… Kritisches zur Vorratsdatenspeicherung von Martin Haase im Neusprechblog v. 17.9.15

(6) ‚Griechenland-Rettung‘ als Unwort des Jahres

Die Umschuldungskredite als ‚Rettung‘ für Griechenland zu interpretieren, ist bei den meisten Leuten zur unbefragten Selbstverständlichkeit geworden. Der Begriff verdreht jedoch demagogisch die Realität in ihr Gegenteil. Gerhard Bock schlägt daher vor, „Griechenland-Rettung“ als Unwort des Jahres zu küren. Hier ist seine Begründung (30.8.15). Wer diesen Vorschlag unterstützt möchte ihn bitte an die Mailadresse der Jury schicken: vorschlaege@unwortdesjahres.net

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

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