Sprachkritisch unterwegs – Foruminfo 02/2016

Unsere aktuelle Umschau zeigt: Selten waren Worte so sehr Kampfmittel wie in der Flüchtlingsdebatte. Es geht um die Sprache der Rechtspopulisten, das Bild vom ‚Gastrecht‚, das Weltbild von Pegida, Debatten über Hotspots und den ‚mobbenden Mob‚.

(1) Sprache der Rechtspopulisten

Aktuell spielen alle Parteien der AfD in die Hände„: In Talkshows sind vor allem die Kampfbegriffe der Rechtspopulisten präsent. Linguistin Elisabeth Wehling erklärt, wieso das gefährlich ist, wie Sprache unser Denken beeinflusst und warum rationale Politiker die Menschen nicht erreichen.  Ein Interview von Johanna Bruckner in der Süddeutschen Zeitung v. 17.2.16.

(2) Jenseits des Gastrechts: Sprachbilder und ihre Grenzen

Sahra Wagenknecht sprach vom „Gastrecht“ der Flüchtlinge, und davon dass derjenige, der es missbrauche, irgendwann dann auch verwirkt habe. Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch nimmt dieses Bild im Sprachlog (19.1.16) auseinander: Gäste sind zwar gern gesehen und um Gäste kümmert man sich – soweit so gut. Aber Gäste reisen irgendwann auch wieder ab. Und diese Eigenschaft nutzen Rechtspopulisten, wenn sie Flüchtlinge als „Gäste auf Zeit“ oder „ungebetene Gäste“ bezeichnen und eine „Verabschiedungskultur“ fordern.

(3) Das gefährliche Weltbild von Pegida

Um zu erfahren, wie radikal die Anhänger der Bewegung argumentieren, hat die Süddeutsche Zeitung Hunderttausende Facebook-Kommentare inhaltlich analysieren lassen. Rassistische Hetze ist als solche nicht sofort erkennbar. Stattdessen pflegen die Anhänger von Pegida ihre Rolle als besorgte Bürger und nutzen mehrheitlich eine eher neutrale Sprache. Dahinter versteckt sich eine Welt, in der Flüchtlinge und Muslime als Feindbilder gelten. Sie werden als Gefahr für das Land dargestellt. Hier ist die Facebook-Auswertung v. 4.2.16 nachzulesen.

(4) Heiße Luft um Hotspots

Beinahe wäre ‚Hotspot‘ zum Anglizismus des Jahres 2015 gekürt worden. Aber was versteht man darunter? Das Wort geistert mit unterschiedlichen Bedeutungen und kontroversen Debatten durch unsere Medien: von Flüchtlingspolitik über Datentransfer bis zur Biodiversität… Und jeder versteht etwas anderes unter ‚Hotspot‘, wie die Kommentare zeigen. Mehr ist im Blog AngliLupe (11.2.16) zu erfahren.

(5) Warum der mobbende Mob tatsächlich das Volk ist

„Weil in Clausnitz, Köln oder Kiel aggressive Mengen tobten, liest man jetzt oft das Wort Mob. Früher gab’s Mobs nur in England. Dann wurde sogar Jesus als Mob-Führer angeschwärzt.“ – Matthias Heine geht in seinem Artikel (Die Welt v. 27.2.16)  auf Sinnsuche.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

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